2020-03-12

Coronavirus: Welche Vorkehrungen machen Fliegen sicherer?

Luftfahrt
Dr. Markus Egert, Professor für Mikrobiologie und Hygiene erklärt, welche Maßnahmen im Flugzeug und am Flughafen gegen das Coronavirus nützen.

Tags: Risikomanagement


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Worauf können Reisende achten, um sich vor dem Coronavirus zu schützen? Welche Gefahren lauern am Flughafen? Welche im Flugzeug? Im Interview mit Pro Sky verrät Dr. Markus Egert, Professor für Mikrobiologie und Hygiene an der Hochschule Furtwangen, welche Maßnahmen sinnvoll und welche nutzlos sind.


SOLLTE MAN IM FLUGZEUG / AM FLUGHAFEN EINE MASKE TRAGEN?

Macht es Sinn an Bord eines Flugzeugs oder am Flughafen eine Maske zu tragen?

"Das ist eigentlich nicht nötig. Eine Ausnahme gilt, wenn man selber erkrankt ist. Dann hilft die Maske, das Umfeld zu schützen. Gesunde Menschen sollten Masken generell nur tragen, wenn sie sehr viel Kontakt zu Menschen bzw. potenziell Erkrankten haben. Das gilt für zum Beispiel für Ärzte. Ansonsten können Masken für Verwirrung und Verunsicherung sorgen."

WELCHE GEFAHR BERGEN OBERFLÄCHEN IM FLUGZEUG UND AM FLUGHAFEN?

Sollte man es vermeiden, im Flugzeug bzw. am Flughafen Oberflächen zu berühren?

"Es gibt ein gewisses Infektionsrisiko, aber man sollte keine Angst haben. Wichtig ist es einfach, sich die Hände zu waschen."

Wie lange ist denn die Lebensdauer des Virus auf Oberflächen?

"Viren auf Oberflächen werden nicht innerhalb von Minuten inaktiv, sie können sich mehrere Tage halten. Aber es kommt auf die Art der Oberfläche an. Metall ist anders als Kunststoff, gereinigte Oberflächen verhalten sich anders als nicht gereinigte. Dennoch stimmt es, dass betroffene Oberflächen erstmal infektiös bleiben."

Würde es dann nicht Sinn machen Oberflächen, wie die eigenen Sitzlehnen und den Tisch zu desinfizieren?

"Es schadet nichts, aber es ist reine Gewissensberuhigung."

Dennoch desinfizieren Airlines teilweise ganze Flugzeuge. Ist dies dann übertrieben?

"Hier geht es mehr um das Marketing. Eine normale Reinigung reicht völlig aus. Eine Ausnahme besteht nur, wenn der Flug aus einem Risikogebiet kam oder eine infizierte Person an Bord war. Natürlich schadet eine Desinfektion nicht. Aber auch ohne können Sie beruhigt einsteigen."

Viele nutzen inzwischen lieber den klassischen Check-In statt Selbst-Check-Ins mit Touch Screens. Ist das sinnvoll?

"Wer sich Sorgen macht, den Bildschirm zu berühren, sollte sich danach einfach die Hände waschen. Der klassische Check-In ist nicht unbedingt sicherer. Vielleicht ist das Personal am Schalter infiziert, vielleicht stehe ich lange in der Schlange und bin dadurch in engem Kontakt zu infizierten Personen. Ich würde sagen, Passagiere können Selbst-Check-Ins ohne Sorge benutzen." 

Kann es denn helfen, Handschuhe zu tragen?

"Ich würde Reisenden raten, sich lieber die Hände zu waschen. Viren können an Handschuhen haften bleiben. Wenn ich mir damit ins Gesicht greife, sind Handschuhe also nicht besser. Und sie können zu einem falschen Sicherheitsgefühl führen, dafür sorgen, dass ich mir vielleicht seltener die Hände wasche."

WAS SOLLTE MAN BEI Boarding und Platzwahl BEACHTEN?

Passagiere achten bei der Buchung jetzt vermehrt darauf am Fenster zu sitzen. Sind Fensterplätze sicherer, da isolierter?

"Ganz unlogisch ist das nicht. Vermutlich hat man hier deutlich weniger Kontakt zu anderen Passagieren. Kurzzeitiger Kontakt ist aber nicht entscheidend. Da kommt es schon eher drauf an, wer in meiner Nähe sitzt."

Wie nah muss mir denn jemand sein, damit ich mich infizieren könnte?

"Um sich anzustecken, muss die Person nah neben mir sitzen. Ich würde von einem Abstand von ein bis zwei Reihen sprechen."

Angenommen, eine Person mit Erkältungssymptomen sitzt unmittelbar neben mir. Wie verhalte ich mich am besten?

"Es ist wichtig, Abstand zu halten. In der Regel wird die Crew daher versuchen, diese Person umzusetzen oder ihr eine Maske anzubieten. Geschieht dies nicht, können Sie freundlich darauf hinweisen. Ansonsten können Sie tatsächlich nicht viel machen. Was möglich ist: Bitten Sie Ihren Sitznachbarn, in die Armbeuge zu niesen. Versuchen Sie sich in die andere Richtung zu wenden. Lesen Sie eine Zeitung und nutzen Sie diese, um sich vor Tröpfchen abzuschirmen."

Wann sollte man denn besonders aufpassen?

"Beim Boarding, beim Ein- und Aussteigen. Immer dann, wenn es wuselig wird, es schnell gehen muss, Menschen sich nah kommen. Die anderen Passagiere sind die größte Gefahr. Der direkte Kontakt ist das Problem."

Sollte man dann nicht versuchen, möglichst spät in den Flieger zu steigen?

"Das würde schon helfen. Aber Sie sollten die Vorgaben des Bodenpersonals beachten. Soweit ich weiß, wird abhängig von verschiedenen Gesundheitsszenarien auch speziell gebordet."

WIE GEFÄHRLICH IST DIE LUFT IM FLUGZEUG?

Können die "High Efficiency Particulate Air"-Filter in Flugzeugen das Virus filtern?

"Es gibt unterschiedliche Filter, aber der klassische HEPA-Filter säubert die Luft sehr gut. Ich bezweifle zwar, dass es stimmt, dass eine Luft wie in Operationssälen entsteht, aber darauf kommt es auch nicht an. Natürlich kann es sein, dass die Filter bei Viren mit einer Größe von nur wenigen hundert Nanometern an ihre Grenzen stoßen, wichtig ist aber lediglich, dass die Tröpfchen herausgefiltert werden. Und das funktioniert. Hier gibt es dann sogar Vorteile gegenüber Reisen in Bus und Bahn."

Wenn die Luft aus den HEPA-Filtern im Flugzeug so rein ist: Macht es dann Sinn die Lüftung einzuschalten?

"Es ist sehr saubere, aber auch sehr trockene Luft. Das ist schlecht für die Schleimhäute, was wiederum eine Infektion begünstigt."

WAS SOLLTE ICH AN BORD EINES FLUGZEUGS SONST BEACHTEN?

Sollte man an Bord auf Getränke und Essen verzichten bzw. sich seine eigene Verpflegung mitbringen?

"Nein. Ich kenne keine Untersuchung, die zeigen würde, dass es hier einen Effekt gibt."

Wie ist es mit Toilettengängen? Macht es Sinn, diese zu vermeiden, um weniger Kontakt mit anderen Personen zu haben?

"Nein, das macht keinen Sinn. Wer auf Toilette muss, soll auf Toilette gehen. Aber bitte danach Hände waschen."

Würden Sie empfehlen, sich auch unabhängig vom Toilettenbesuch an Bord die Hände zu waschen?

"Ja. Hände waschen ist unser wirksamstes Mittel gegen den Virus."

Einige Passagiere haben Angst, dass es an Bord keine Seife gibt. Wie reagiert man dann am besten?

"Den Fall halte ich für unwahrscheinlich. Zur Beruhigung kann man sich ein kleines Fläschchen Handdesinfektion mitnehmen. Die passen auch ins Handgepäck. Ich bin aber eigentlich kein großer Fan davon. Besser wäre es, in diesem Fall einfach die Crew zu fragen, ob es noch Seife gibt."

WANN MACHT EINE QUARANTÄNE SINN?

Wir erhalten Fragen, ob es Sinn macht sich nach dem Rückflug in häusliche Quarantäne zu begeben, wenn es am Reiseort mehr Coronafälle als daheim gab. Ihre Einschätzung?

"Eine häusliche Quarantäne sollte nur dann erfolgen, wenn man aus einem Land bzw. einer Region zurückkehrt, welches das Robert-Koch-Institut offiziell als Risikogebiet ausweist. Sonst nicht. Hier sollte man sich auf die offiziellen Empfehlungen verlassen." 

SO SCHÜTZEN SIE SICH AUF REISEN GEGEN DAS CORONAVIRUS

Wie also sind Prof. Dr. Egerts Empfehlungen, um sich an Bord oder am Flughafen gegen das Virus schützen?

  • Halten Sie Abstand zu Passagieren, die Symptome von Erkältungskrankheiten (Husten, Schnupfen) zeigen
  • Achten Sie auf Ihre Handhygiene (regelmäßiges und gründliches Händewachsen)
  • Trinken Sie viel Wasser (besonders auch wegen der trockenen Luft im Flugzeug)
  • Versuchen Sie, nicht gestresst in die Reise zu gehen, da dies das Immunsystem schwächt

Sie möchten noch mehr Details erfahren? In Prof. Dr. Egerts neuem Buch "Ein Keim kommt selten allein" gibt es ein komplettes Kapitel zum Thema Keimen auf Reisen, in dem er auch auf das Thema Fliegen eingeht.

Bildhinweis: Artikelfoto Prof. Dr. Markus Egert von Britt Schilling

 



Mehr über den Autor

Klein

Linda Katharina Klein

Marketing Campaign Manager at PRO SKY Germany
Immer voller Ideen, hat Linda ein Talent, Menschen zu inspirieren und Geschichten zum Leben zu erwecken. Als Marketing Campaign Managerin von Pro Sky nutzt sie ihre herzliche und unbeschwerte Art sowie ihre Erfahrung als preisgekrönte Journalistin, um Inhalte zu erstellen, die informativ und unterhaltsam zugleich sind.